August 9, 2008

Die gefuehlte Pest

Die Wendung mag ja einmal cool gewesen sein, aber der nicht tot zu kriegende Begriff “gefuehlte” in der deutschen Medien-Landschaft geht uns furchtbar auf den Sack.

Journalisten bemuehen “gefuehlte” immer dann wenn sie versuchen, einer subjektiven Einschaetzung oder einem Wunsch einen Funken Legitimitaet einzuhauchen. Dieses Konstrukt von semantisch Erbrochenem geistert nun schon seit einiger Zeit in journalistischen Texten herum ohne dass es jemanden zu stoeren scheint.

Beispiel: “Deutschland ist der gefuehlte Fussball-Europameister.” Redakteur Egon Z. mag das so finden, stimmen tut es allenfalls in seinem Kopf. Oder: “Mit fast 90 ist Helmut Schmidt Deutschlands ‘coolster Kerl’ und gefĂĽhlter Bundespräsident.”

Haeh?

Das Beispiel mit dem Fussball ist erfunden, das mit Schmidt erschien neulich online beim Berliner Tagesspiegel.

Das Wort “gefuehlte” als Adjektiv gibt es gar nicht, weshalb es in Nachrichten- und Reportage-Texten ueberhaupt nichts zu suchen hat. Auch in Glossen und Editorials zeigt das Teil eher des Autors Unvermoegen und nicht etwa die postmoderne Schreibe eines Augusten Burroughs.

Die Redaktion der Capital Morgenpost appelliert deshalb an die deutschen Kollegen: Bitte quaelt uns nicht laenger mit dem gefuehlten Schwachsinn.

Posted by Chefredaktion at 9:51 PM | Comments (0)

June 28, 2008

Mit Gott auf uns’rer Seite

John Stewart von der Daily Show nahm diese Woche den prominenten amerikanischen Super-Christen James Dobson auf’s Korn. Der gute Mann gruendete vor ein paar Jahrzehnten die Stiftung Focus on the Family, die sich, ganz in der zuechtigen evangelikanischen Tradition, dem Kampf gegen die Ketzereien des Alltags verschrieben hat.

Als saekulare Durchschnitts-Europaeer sind wir seit jeher fasziniert von der sonderbaren Welt der Evangelikalen. Angeblich haben die strengglaeubigen die Praesidentschaftswahlen 2000 und 2004 fuer George W. Bush entschieden. Also bedarf die Gedankenwelt der sauber gescheitelten, unsere Ansicht nach, einer etwas genaueren Betrachtung.

Die Themen, die einen ordentlichen Evangelikalen hier zur Weissglut treiben lassen sich auf eine Handvoll reduzieren, und die Kirchenfuehrer lassen keine Gelegenheit aus, sie ihrer Herde immer wieder vorzubeten: Das alltaegliche Bombardment rechtschaffener Buerger mit Pornos durch die Massenmedien, die rapide um sich greifende Verschwulung der Gesellschaft, und das blutige Geschaeft mit der Abtreibung.

Zum letzteren Thema gibt es in der Amerikanischen Gesellschaft, wie wohl auch in Deutschland, zwei Sichtweisen. Die eine, “Pro Choice”, besagt dass Frauen die Wahl haben sollten ihre Schwangerschaft vorzeitig zu beenden. Die andere ist “Pro Life,” (uebersetzt “Pro Leben”), wonach Schwangerschaftsabbrueche grundsaetzlich illegal sein sollten und ohnehin ein Schwelen in den ewigen Feuern der Hoelle nach sich ziehen.

Nach dem Genuss von John Stewarts Dobson-Witzen liessen wir uns heute dazu hinreissen, die Web Site des Gotteskriegers zu besuchen — und kamen aus dem Lachen nicht heraus.

Unseren des Englischen maechtigen Lesern moechten wir eine Stippvisite bei www.focusonthefamily.com dringend ans Herz legen. Hier ein paar Appetit-Haeppchen:

Da gibt es zum Beispiel das Stiftungseigene Magazin Citizen, das versucht mit “positiven christlichen Themen” Licht in das gottlose Dunkel unseres Zeitgeistes zu scheinen. Die Redakteure machen mit den folgenden Titelblaettern subtil deutlich, auf wessen Seite sie politisch stehen.

citizen_obama.jpg citizen_bush.jpg

(Fuer unsere nicht-englischsprachigen Leser: Das linke Titelblatt zeigt den Leibhaftigen mit der Unterschrift “Ja, wir koennen . . . abtreiben” in Anlehnung an Luzifers Wahlkampfspruch “Yes we can”. Auf dem rechten Titel kuesst der Herrgott einen Saeuglingskopf, und die Unterschrit lautet “Wahrhaftig Pro Leben”.)

Wer noch ein wenig weiter auf der Seite herumstoebert stoesst auf den Jugend-Bestseller-Artikel “Wenn Gott mich liebt, warum geht’s mir so dreckig?”. Ausserdem immer wieder gern gelesen, Dobson’s Essay “Zwei Mamas ist eine zu viel”, erschienen im Dezember 2006 im Time Magazine.

Wir haben uns jedenfalls von der Web Site das “Himmlische Harmonie” Karaoke-Set bestellt — eine lustige Art fuer die Jugend von heute, christliche Gesaenge und Weihnachtslieder zu lernen.

Ein bischen Spass muss sein.

Posted by Chefredaktion at 10:33 PM | Comments (0)

June 18, 2008

Oil Addiction, revisited

America is perhaps the only country in the world where high gasoline prices rile up the population to a degree that could alter the outcome of elections. Never mind health insurance issues — or better yet, impoverished children’s health insurance issues. What gets many Americans steaming is the “pain at the pump” caused by gasoline prices beyond the $4 mark.

Personally, we don’t care. Driving our fat asses around in cars, polluting the environment, and becoming tomorrow’s obesity statistic should hurt, just so we’re constantly reminded of the anachronism of today’s automobile technology.

Also, we selected our (family) car last year with fuel efficiency as a crucial criterion. We ended up picking a Honda Fit, which gets us close to 40 miles per gallon. Filling up our 10-plus gallon tank used to cost us slightly under 30 dollars just a few months ago. Now it’s closer to — well, you do the math.

By the way, a fuel consumption rate of almost 40 miles per gallon is by no means good, measured by what is possible.

The curious thing is, we still see commercials advertising SUVs and trucks with mileage rates of around 20. Seriously, we have no sympathy with the poor souls still buying these vehicles and then complaining about gas prices.

Our point is this: President Bush today made a call for increased domestic oil production, drilling for the black stuff in all kinds of environmentally sensitive areas now off limits for exploitation.

The same guy made a plea in his 2006 State-of-the-Union speech to support efforts aimed at weaning America from what he called an “addiction” to oil. (He didn’t say “addiction to foreign oil,” by the way, so the argument that increasing domestic oil production is OK doesn’t count.)

He talked about American technological ingenuity and new, environmentally friendly programs that would lead the way away from petroleum-based fuels in the U.S. of A.

It sounded good at the time.

Now, Bush argued in a speech today, “Four-dollar-a-gallon gasoline has a way of changing people’s perspective.” Apparently, his own perspective also has changed. (Although it’s not like he actually pulls into an Exxon station to fill up the armored SUV he uses to get around town.)

We smell corporate interests of the oil industry making a last concerted push for unrestricted exploitation while a president receptive to their demands is in the White House. Congress must ignore this push and instead begin aggressively putting in place the fixes to America’s oil addition Bush laid out — even as Mr Bush himself relapses.

Posted by Chefredaktion at 10:14 PM | Comments (0)

June 17, 2008

Steingart und die Wirtschaftskrise

Gabor Steingart ist einer meiner liebsten deutschsprachigen Journalisten die ueber USA schreiben. Er schreibt derzeit regelmaessig eine Kolumne namens “West Wing — Der Kampf ums Weisse Haus” die bei Spiegel-Online erscheint.

Anders als viele andere Autoren, ist Steingart bemueht, sich in seine amerikanischen Subjekte hineinzudenken. Seine Texte offererieren neue, kritische Einsichten in das Leben hier, wo andere deutsche Korrespondenten nur hochtrabende Berechenbarkeit bringen.

Seine Spezialitaet sind Weltwirtschafts-Themen und die globale Umverteilung von Armut und Reichtum. Beim hiesigen Goethe-Institut gab es dazu kuerzlich eine Podiumsdiskussion mit Steingart und dem Washington Post Kolumnisten Sebastian Mallaby, die ich unseren Lesern hier ans Herz legen moechte.

Eine Anmerkung sei an dieser Stelle erlaubt: Gut englisch zu sprechen ist was anderes. Naja, unser geschriebenes deutsch ist auch laengst nicht mehr das was es mal war.

Wie dem auch sei, wir halten die Augen offen nach kuenftigen Steingart-Auftritten im Raum Washington, wo wir den Mann eventuell mal sehen statt bloss hoeren koennen.

Posted by Chefredaktion at 11:35 PM | Comments (0)

June 12, 2008

Danny’s Wortschaetzchen

Danny im Mai

Unser Sohn Daniel schlaegt sich derzeit vornehmlich mit zwei Dingen herum: Laufen und Sprechen lernen. Hier ein Auszug aus seinem aktuellen Vokabular:

  • mama — mama
  • papa — dada, baba
  • schaf — baba, gack-gack
  • huhn, ente, gefluegel — gack-gack
  • hund — gack-gack
  • hallo — A-O
  • hi! — hi!
  • sachte — acho
  • baby — baby
Posted by Chefredaktion at 11:36 PM | Comments (0)

The Capital What?

“Morgenpost” is German and means Morning Post. Like a newspaper. It's German, because that's my mother tongue. And it's Capital, because it's printed daily in Washington, DC. read more ...

D.C. Area Weather

Partly Cloudy

Aktuelle Temperatur in Washington: 21 °C. Der Wind kommt mit 10 km/h aus NNW. Die Luftfeuchtigkeit liegt bei etwa 78 %.

Weather data provided by weather.com®

Search the CM-Archives